
Altersarmut beginnt vor dem Ruhestand.
„Geldsorgen habe ich aktuell glücklicherweise keine.“ Ein guter Satz. Vielleicht beschreibt er Deine Gegenwart. Vielleicht die Gegenwart eines Menschen, mit dem Du gerade sprichst. Er beantwortet allerdings noch nicht, wie die nächsten dreißig Jahre aussehen. Und er sagt wenig über die Menschen aus, die neben uns arbeiten, für uns arbeiten oder mit uns leben.
Altersarmut beginnt häufig lange vor dem Alter. In einer Auftragslücke. In Jahren mit unbezahlter Sorgearbeit. In einer Krankheit. In zu niedrigen Honoraren. In einer Rente, die niemand ausgerechnet hat. Manchmal beginnt sie auch in einem erfolgreichen Unternehmen, dessen Eigentümer die eigene Zukunft vollständig an einen späteren Verkauf gebunden hat.
Diese Reihe will ein Gespräch öffnen: über finanzielle Gesundheit, über Würde und über die Frage, wie wir Verantwortung füreinander übernehmen. Wer heute gut abgesichert ist, kann Teil dieses Gesprächs sein. Gerade dann.
Der Applaus endet. Die Rechnung bleibt.
Ein Interview mit Christian Kahrmann im Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Oktober 2026 gibt den Anstoß. Darin schildert der Schauspieler, wie unregelmäßige Engagements, ein schwieriger Markt und Krankheit Einkommen und Sicherheit belasten können. Der öffentliche Eindruck einer bekannten Person passt dann womöglich nicht zur privaten Wirklichkeit.
Das Interview ist eine persönliche Erfahrung. Es beschreibt nicht sämtliche Schauspieler und nicht jede Form ihrer Versicherung. Es zeigt aber einen blinden Fleck: Wir verwechseln Sichtbarkeit schnell mit Vermögen. Einen bekannten Namen mit einem gefüllten Konto. Einen vollen Kalender mit einer ausreichenden Rente.
Die Künstlersozialkasse meldet für ihre aktiv Versicherten zum Jahresbeginn 2026 ein durchschnittliches erwartetes jährliches Arbeitseinkommen von 21.336 Euro. Gemeint ist das gemeldete Einkommen aus selbständiger künstlerischer oder publizistischer Tätigkeit, grundsätzlich der Gewinn. Das ist weder Umsatz noch verfügbares Haushaltsnetto und keine Rentenhöhe. Auch erfasst die Zahl nicht alle Künstler. Trotzdem macht sie deutlich, warum Ruhm kein brauchbarer Maßstab für wirtschaftliche Sicherheit ist. Künstlersozialkasse, Einkommen, Stand 01.01.2026
Eine Zahl braucht eine Definition
Nach den aktuellen Eurostat-Daten beträgt die Armutsgefährdungsquote der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland 19,5 Prozent. Für die EU insgesamt sind es 16,3 Prozent. Sortiert man die 27 EU-Länder von der niedrigsten zur höchsten Quote, steht Deutschland auf Platz 18. Die Slowakei liegt bei 5,2 Prozent, Lettland bei 41,7 Prozent. Das Ranking ist unsere Berechnung aus der Tabelle für das Erhebungsjahr 2025, deren Einkommen überwiegend aus dem Vorjahr stammen. Eurostat, ilc_li02, EU-SILC 2025
Armutsgefährdung bedeutet hier: Das verfügbare, nach Haushaltsgröße gewichtete Einkommen liegt unter 60 Prozent des nationalen Medians. Die Zahl misst relative Einkommensarmut. Sie sagt nicht, dass alle Betroffenen hungern. Sie bildet Vermögen, Wohnkosten und den individuellen Bedarf auch nicht vollständig ab.
Für den internationalen Blick verwenden wir deshalb eine zweite, getrennte Messung. Die OECD betrachtet Menschen ab 66 Jahren unter 50 Prozent des jeweiligen nationalen Medianeinkommens. Ihre Tabelle nennt für Deutschland 12,6 Prozent, Japan 20,0 Prozent, Südkorea 39,7 Prozent und die USA 22,9 Prozent. Die Datenjahre sind unterschiedlich: 2021 für Deutschland und Japan, 2022 für Südkorea, 2023 für die USA. Daraus entsteht kein aktuelles weltweites Ranking. Japan und Südkorea vertreten auch nicht ganz Asien. OECD, Pensions at a Glance 2025, Tabelle 7.2
In Asien unterscheiden sich Rentensysteme, informelle Arbeit und familiäre Unterstützung stark. Die ILO dokumentiert diese Unterschiede im regionalen Sozialschutzbericht. Ein Rentenanspruch allein beweist noch kein ausreichendes Einkommen. ILO, Sozialschutz in Asien und Pazifik 2024/26 In den USA zeigt das Census Bureau für 2025 außerdem, wie sehr die Messmethode zählt: Für Menschen ab 65 liegen die offizielle Armutsquote bei 9,8 Prozent und das ergänzende Maß bei 15,4 Prozent. Das zweite berücksichtigt unter anderem medizinische Eigenkosten. US Census, Poverty in the United States: 2025
Talent. Freiheit. Risiko.
Ein Schauspieler lebt von Engagements, ein Autor von Honoraren und Rechten, eine Designerin von Aufträgen. Selbständige, Freelancer und Kleinunternehmer müssen zwischen laufenden Kosten, Rücklagen und Vorsorge abwägen. Viele haben wenig finanziellen Spielraum. Der Rat, einfach mehr zu sparen, erklärt weder niedrige Einkommen noch fehlende Beiträge.
Selbständigkeit bedeutet nicht automatisch, außerhalb der gesetzlichen Rente zu stehen. Bestimmte Gruppen sind versicherungspflichtig; bei Künstlern und Publizisten kann die Künstlersozialversicherung greifen. Andere können freiwillig Beiträge zahlen oder unter Voraussetzungen Versicherungspflicht beantragen. Entscheidend ist der tatsächliche Status. Der erste Schritt ist deshalb ein Blick auf Versicherungsverlauf und Renteninformation. Deutsche Rentenversicherung, Selbständige
Bei nicht gemeldeter Arbeit können fehlende oder nicht nachweisbare Beitragszeiten die spätere Absicherung gefährden. Barzahlung allein ist noch keine Schwarzarbeit. Ob ein Anspruch besteht, hängt vom konkreten Beschäftigungsverhältnis und den Nachweisen ab. Die Frage ist nicht, wen wir beschämen können. Die Frage ist, wie Einkommen und Ansprüche sichtbar, rechtmäßig und belastbar werden.
Der Exit kommt. Oder eben nicht.
Ein Unternehmen aufzubauen kann ein großartiger Lebensentwurf sein. Ein geplanter Exit ist zunächst eine Möglichkeit. Noch kein verfügbares Geld. Eine Bewertung ist kein Verkaufspreis, und ein Verkaufspreis ist nicht der private Nettoerlös. Beteiligungsquote, Schulden, Vorrechte anderer Investoren, Kosten, Steuern und spätere Zahlungen verändern die Rechnung.
Nehmen wir dennoch einen erfolgreichen Verkauf an: Eine Million Euro steht danach privat und frei zur Verfügung. Keine weiteren Einkommen, keine Rendite, keine Preissteigerung. Bis zum 100. Geburtstag gleichmäßig verteilt, ergibt das bei einem Exit mit 28 rund 1.157 Euro im Monat. Mit 48 sind es 1.603 Euro. Mit 78 sind es 3.788 Euro. Ein vereinfachtes Rechenbild in heutiger Kaufkraft, kein Entnahmeplan.
Es ist immer derselbe Betrag. Der Unterschied ist die Zeit, die er tragen soll. Ein früher Erfolg braucht einen langen Plan. Ein später Erfolg ersetzt keine verlorene Lebenszeit. Und ohne Exit braucht es eine Absicherung, die weiter funktioniert: laufende Ansprüche, private Liquidität und einen Plan, der nicht nur vom Unternehmenswert abhängt.
Was kostet ein längeres Leben?
Die jüngste deutsche Periodensterbetafel weist für 65-jährige Männer durchschnittlich weitere 18,0 Jahre aus, für Frauen 21,1 Jahre. Ein Durchschnitt ist kein Ablaufdatum. Manche Menschen leben deutlich länger. Ein Budget bis 95 oder 100 ist eine Planungsvariante, keine Vorhersage. Destatis, Sterbetafel 2023/2025
Unsere Beispielrechnung beginnt mit 67: 2.500 Euro monatliche Ausgaben und 1.600 Euro verlässliches Nettoeinkommen, jeweils in heutiger Kaufkraft. Die monatliche Lücke beträgt 900 Euro. Bis 85 summiert sie sich ohne reale Rendite auf 194.400 Euro. Bis 95 auf 302.400 Euro, bis 100 auf 356.400 Euro. Zehn zusätzliche Jahre bedeuten in diesem Beispiel 300.000 Euro zusätzliche Ausgaben und 108.000 Euro zusätzliche Finanzierungslücke.
Das ist kein Durchschnittsbedarf und kein persönlicher Vorsorgebetrag. Eine eigene Wohnung, Miete, Partner, Pflege und vorhandene Ansprüche verändern ihn. In einer zweiten Variante steigen die angenommenen Budgets ab 80 und ab 90, weil Unterstützung im Alltag mehr kosten kann. Wer Pflegekosten einrechnet, muss außerdem aufpassen, Unterkunft und Verpflegung nicht doppelt zu zählen. Die Pflegeversicherung deckt nicht sämtliche Kosten. vdek, Pflege-Eigenanteile Juli 2026
Longevity ist deshalb auch eine Frage von Zeit, Unterstützung und Teilhabe. Ein längeres Leben und mehr gesunde Lebensjahre sind unterschiedliche Ziele. Die WHO unterscheidet sie ausdrücklich. Forschung zum Altern ist wichtig; sie liefert jedoch keinen verlässlichen persönlichen Lebensverlängerungsvertrag. WHO, Life expectancy and healthy life expectancy National Institute on Aging, Forschung zum Altern Wir können heute über Bewegung, Versorgung, soziale Beziehungen und eine tragfähige Finanzierung sprechen, ohne eine Lebensdauer zu versprechen.
Verantwortung ist auch Unternehmenskultur
Für CEOs, Geschäftsführer und Familienunternehmer beginnt das Thema nicht erst mit der eigenen Nachfolge. Wie verlässlich sind Honorare? Werden Rechnungen pünktlich bezahlt? Können Menschen über finanzielle Unsicherheit sprechen, ohne ihren Arbeitsplatz oder ihr Ansehen zu gefährden? Gibt es verständliche Weiterbildung und einen vertraulichen Zugang zu unabhängiger Beratung?
Ein freiwilliges Bildungsangebot braucht keine Offenlegung privater Konten. Ein Teamgespräch darf niemanden vorführen. Und eine Initiative gegen Altersarmut sollte weder auf Scham noch auf einem Produktverkauf aufbauen. Finanzielle Bildung hilft beim Verstehen und Handeln. Sie ersetzt keine angemessenen Einkommen und keine tragfähigen sozialen Systeme.
Der Ansatz der finanziellen Gesundheit, für den sich Königin Máxima als UN-Sonderbeauftragte einsetzt, ist hierfür ein Bezugspunkt: den Alltag bewältigen, Schocks auffangen und Zukunft gestalten können. Diese Reihe ist eine unabhängige redaktionelle Initiative. Sie beansprucht keine Zusammenarbeit oder Unterstützung durch Königin Máxima. UN Special Advocate for Financial Health
Eine Frage für diese Woche
Du musst Deine Finanzen nicht öffentlich machen. Vielleicht reicht zunächst ein stiller Blick auf drei Dinge: Was steht mir tatsächlich zu? Was brauche ich monatlich? Welche Annahme trägt meinen Plan?
Und dann ein Gespräch mit einem Menschen in Deinem Umfeld: „Was würde Dir mehr Sicherheit für später geben?“ Ohne Prüfung, ohne Ratschlag im ersten Satz. Erst einmal zuhören.
Vielleicht geht es dabei um Geld. Vielleicht um Wissen. Vielleicht um die Erlaubnis, Unsicherheit auszusprechen. Wer heute keine Geldsorgen hat, kann diesen Raum mit öffnen.


Eine Rechnung zum Nachdenken
Wie lange soll Dein Plan tragen?
Heutige Kaufkraft. Konstante reale Ausgaben und Einkommen. Bei 2 %: Barwert jährlicher Zahlungen am Jahresende, nach angenommenen Kosten und Steuern. Keine garantierte Rendite und kein persönlicher Vorsorgebedarf. Unvorhersehbare Ausgaben und schwankende Erträge verändern die Rechnung. Deine Eingaben werden ausschließlich in Deinem Browser verarbeitet und nicht übertragen.
| Bis Alter | Gesamte Ausgaben | Lücke bei 0 % | Mit steigendem Unterstützungsbudget |
|---|---|---|---|
| 85 | 540.000 € | 194.400 € | 212.400 € |
| 95 | 840.000 € | 302.400 € | 392.400 € |
| 100 | 990.000 € | 356.400 € | 500.400 € |
Variantes Budget: 2.500 €/Monat von 67 bis 79, 2.800 € von 80 bis 89, 3.400 € von 90 bis 99; Nettoeinkommen weiterhin 1.600 €. Das sind Annahmen, keine Durchschnittskosten. Pflegeunterkunft und Verpflegung nicht zusätzlich zum vollen bisherigen Wohnbudget doppelt zählen.
Eine Million. Drei Zeiträume.
Exit mit 28
72 Jahre bis 100. Privat verfügbarer Nettoerlös 1 Million Euro. 0 % reale Rendite. keine weiteren Einkommen. Vereinfachte gleichmäßige Verteilung.
Exit mit 48
52 Jahre bis 100. Privat verfügbarer Nettoerlös 1 Million Euro. 0 % reale Rendite. keine weiteren Einkommen. Vereinfachte gleichmäßige Verteilung.
Exit mit 78
22 Jahre bis 100. Privat verfügbarer Nettoerlös 1 Million Euro. 0 % reale Rendite. keine weiteren Einkommen. Vereinfachte gleichmäßige Verteilung.
Inflation verändert die Eurozahl.
2.500 € heutiger Bedarf entsprechen bei angenommenen 2 % Inflation nach 20 Jahren etwa 3.715 €, nach 30 Jahren 4.528 €, nach 40 Jahren 5.520 €. Der Rechner oben arbeitet bereits mit heutiger Kaufkraft, deshalb dort Inflation nicht nochmals aufschlagen.
FAQ: Häufige Fragen zur Altersarmut
Was bedeutet Altersarmut?
Altersarmut beschreibt unzureichende finanzielle Mittel im späteren Leben. Für statistische Vergleiche müssen Altersgruppe, Einkommensschwelle, Bezugsjahr und Messverfahren genannt werden. Armutsgefährdung ist eine relative Einkommenskennzahl; sie beschreibt nicht allein Vermögen, Wohnkosten oder die persönliche Lebenssituation.
Wo steht Deutschland im EU-Vergleich?
In EU-SILC 2025 liegen 19,5 % der Menschen ab 65 in Deutschland unter 60 % des jeweiligen nationalen Medianeinkommens. Der EU-Gesamtwert beträgt 16,3 %. In der aufsteigenden Rangfolge der 27 EU-Länder steht Deutschland auf Platz 18, also bei der zehnthöchsten Quote. Die Daten betreffen überwiegend Einkommen von 2024.
Kann man EU, Asien und USA direkt in einer Rangliste vergleichen?
Nur bei übereinstimmenden Definitionen. Die EU-Zahlen hier verwenden 65+ und eine 60-%-Schwelle. Die OECD-Vergleiche verwenden 66+ und 50 %, zudem unterschiedliche Datenjahre. Die USA veröffentlichen eigene offizielle und ergänzende Armutsmaße. Einzelne asiatische Länder bilden keine vollständige Rangliste für Asien.
Warum betrifft das Künstler, Schauspieler und Autoren?
Engagements und Aufträge können unregelmäßig sein. Sichtbarkeit, gute Kritiken und volle Kalender beweisen keine ausreichenden Rentenansprüche. Die KSK meldet für aktiv Versicherte zum Januar 2026 durchschnittlich 21.336 Euro erwartetes jährliches Arbeitseinkommen. Das ist grundsätzlich beruflicher Gewinn, kein Umsatz und keine Rentenhöhe.
Sind Selbständige und Freelancer automatisch rentenversichert?
Für bestimmte selbständige Tätigkeiten besteht Versicherungspflicht, für andere gelten andere Regeln. Entscheidend sind die tatsächliche Tätigkeit und der individuelle Status. Versicherungsverlauf, bestehende Ansprüche und gegebenenfalls die KSK-Zugehörigkeit sollten anhand der Unterlagen und mit den zuständigen Stellen geprüft werden.
Was kostet es, zehn Jahre länger zu leben?
Im Beispiel mit 2.500 Euro monatlichen Ausgaben kosten zehn weitere Jahre 300.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Bei 1.600 Euro verlässlichem monatlichem Nettoeinkommen beträgt die zusätzliche Finanzierungslücke 108.000 Euro. Das Modell unterstellt konstante reale Beträge und 0 % reale Rendite. Es ist kein allgemeiner Durchschnittsbedarf.
Reicht eine Million Euro aus einem Exit bis 100?
Bei einer Million Euro privat verfügbarem Nettoerlös ergeben sich ohne reale Rendite und weitere Einkommen rund 1.157 Euro monatlich bei einem Exit mit 28, 1.603 Euro mit 48 oder 3.788 Euro mit 78. Das ist eine gleichmäßige Modellverteilung bis 100. Verkaufspreis, Nettoerlös und nachhaltig tragfähige Entnahme sind unterschiedliche Größen.
Was, wenn der geplante Unternehmensverkauf nicht kommt?
Dann muss die Finanzierung aus tatsächlich verfügbaren Ansprüchen, Einkommen und Reserven tragen können. Eine Unternehmensbewertung ist noch kein privates Guthaben. Ein Plan B beginnt mit der Frage: Welcher Teil meiner späteren Finanzierung funktioniert auch ohne Verkauf, und welche Annahme sollte ich zuerst prüfen?
Ist Barzahlung immer Schwarzarbeit?
Nein. Barzahlung allein entscheidet nicht über die Rechtmäßigkeit einer Tätigkeit. Relevant sind unter anderem die rechtmäßige Meldung von Arbeit und Einkommen sowie die jeweiligen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Pflichten. Der Versicherungsverlauf zeigt, welche rentenrechtlichen Zeiten tatsächlich erfasst sind.
Was können Unternehmer, CEOs und Familienunternehmen tun?
Honorare und Rechnungen verlässlich bezahlen, freiwillige finanzielle Weiterbildung ermöglichen und einen vertraulichen Zugang zu unabhängiger Beratung schaffen. Gespräche sollen ohne Offenlegung privater Kontostände möglich sein. Bildung unterstützt Handlungsfähigkeit; sie ersetzt keine angemessenen Einkommen oder verlässliche soziale Systeme.
Wie spreche ich das Thema im Freundes- oder Familienkreis an?
Mit einer offenen Frage und ohne Diagnose: „Was würde Dir mehr Sicherheit für später geben?“ Erst zuhören, keine Zahlen verlangen und keine ungefragten Ratschläge geben. Wer heute keine Geldsorgen hat, kann trotzdem Raum für dieses Gespräch öffnen.
Bedeutet Longevity automatisch mehr gesunde Jahre?
Nein. Lebenserwartung und gesunde Lebenserwartung messen unterschiedliche Dinge. Im späteren Leben können Unterstützung, Wohnen, Pflege und soziale Teilhabe das Budget verändern. Forschung zum Altern liefert keinen verlässlichen individuellen Vertrag über zusätzliche Lebensjahre.
Glossar / Lexikon
- Altersarmut
- Unzureichende finanzielle Mittel im späteren Leben. Statistische Messungen bilden jeweils nur bestimmte Aspekte ab.
- Armutsgefährdungsquote
- Anteil unter einer definierten relativen Einkommensschwelle. Hier für die EU: ab 65, unter 60 % des nationalen Medians.
- Medianeinkommen
- Einkommenswert in der Mitte einer geordneten Verteilung: Die Hälfte liegt darunter, die Hälfte darüber.
- Äquivalenzeinkommen
- Haushaltseinkommen, das unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße und Zusammensetzung gewichtet wird.
- Umsatz
- Erlöse aus Verkäufen oder Leistungen vor Abzug betrieblicher Kosten. Kein Maß für privat verfügbares Einkommen.
- Arbeitseinkommen in der KSK
- Grundsätzlich Gewinn aus selbständiger künstlerischer oder publizistischer Tätigkeit. Nicht Umsatz und nicht spätere Rente.
- Versicherungsverlauf
- Übersicht der bei der Rentenversicherung erfassten rentenrechtlichen Zeiten. Ein Ausgangspunkt für die Prüfung von Ansprüchen.
- Finanzierungslücke
- Im Modell die Differenz zwischen angenommenen Ausgaben und verlässlichem Nettoeinkommen.
- Kaufkraft
- Was ein Geldbetrag kaufen kann. Rechnungen in heutiger Kaufkraft halten das Preisniveau gedanklich konstant.
- Reale Nettorendite
- Rendite nach angenommener Inflation, Kosten und Steuern. Im Rechner ist 2 % eine Sensitivität, keine Zusage.
- Barwert
- Heutiger rechnerischer Wert künftiger Zahlungen bei einem gewählten Abzinsungssatz.
- Exit
- Verkauf einer Beteiligung oder eines Unternehmens. Der Zeitpunkt und der tatsächlich verfügbare Erlös können von Erwartungen abweichen.
- Nettoerlös
- Betrag, der nach den relevanten Abzügen tatsächlich privat verfügbar ist. Der Unternehmensverkaufspreis allein reicht zur Bestimmung nicht aus.
- Earn-out
- Vertraglich bedingter späterer Teil eines Verkaufspreises. Er hängt von vereinbarten Voraussetzungen ab und ist nicht automatisch verfügbar.
- Longevity
- Langlebigkeit. Mehr Lebensjahre und mehr gesunde Lebensjahre sind unterschiedliche Ziele.
- Finanzielle Gesundheit
- Alltag finanzieren, Belastungen auffangen und die Zukunft gestalten können. Einkommen, Ansprüche, Wissen und Umfeld wirken zusammen.
Quellen und Methodik
Bildnachweis: Die drei Illustrationen wurden für diese Reihe mit Ideogram erstellt. KI-Symbolbilder, keine Aufnahmen realer Betroffener.
Ausgangspunkt: Christian Kahrmann im Kölner Stadt-Anzeiger, Kultur, 07.10.2026, Interview Uli Kreikebaum. Eine persönliche Erfahrung, keine allgemeine Quote für Schauspieler.
- Eurostat, ilc_li02, EU-SILC 2025
- OECD, Pensions at a Glance 2025, Tabelle 7.2
- US Census, Poverty in the United States: 2025
- Künstlersozialkasse, Einkommen, Stand 01.01.2026
- Deutsche Rentenversicherung, Selbständige
- Destatis, Sterbetafel 2023/2025
- vdek, Pflege-Eigenanteile Juli 2026
- WHO, Life expectancy and healthy life expectancy
- National Institute on Aging, Forschung zum Altern
- UN Special Advocate for Financial Health
- ILO, Sozialschutz in Asien und Pazifik 2024/26
- CFPB, Financial wellness at work
- Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, § 1
Alle 27 EU-Länder im Vergleich
EU-SILC 2025, ab 65, unter 60 % des jeweiligen nationalen Medians. Überwiegend Einkommen 2024. Aufsteigend nach Quote; EU-Gesamtwert 16,3 %. b = Zeitreihenbruch, p = vorläufig.
| Rang | Land | Quote |
|---|---|---|
| 1 | Slowakei | 5,2 % b |
| 2 | Luxemburg | 6,9 % b |
| 3 | Tschechien | 8,4 % |
| 4 | Belgien | 9,3 % |
| 5 | Finnland | 9,9 % |
| 6 | Schweden | 11,2 % |
| 7 | Frankreich | 11,6 % |
| 8 | Dänemark | 12,0 % |
| 9 | Ungarn | 13,8 % |
| 10 | Polen | 14,7 % |
| 11 | Niederlande | 15,2 % |
| 12 | Rumänien | 15,5 % |
| 13 | Österreich | 16,0 % |
| 14 | Spanien | 16,4 % |
| 15 | Italien | 17,2 % |
| 16 | Portugal | 17,8 % |
| 17 | Irland | 18,8 % |
| 18 | Deutschland | 19,5 % |
| 19 | Griechenland | 20,9 % |
| 20 | Bulgarien | 24,6 % |
| 21 | Slowenien | 25,9 % |
| 22 | Malta | 28,9 % |
| 23 | Zypern | 33,2 % |
| 24 | Estland | 33,7 % |
| 25 | Litauen | 39,2 % p |
| 26 | Kroatien | 39,4 % |
| 27 | Lettland | 41,7 % |
